Sucht & Drogen

Die soziologische Definition konstituiert Sucht als

sozial auffälligen Konsum der herrschenden Ideologie entgegenstehenden Konsum (z.B. sind heute Kokain-, Arbeits- oder Kaufsucht weniger geächtet als Abhängigkeit von sedierenden Stoffen) Sucht als Ausgrenzungsmechanismus.

Die medizinische Definition nach ICD-10 (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Disorders, 10th Revision) der Weltgesundheitsorganisation von 1992 unterscheidet

Drogenmißbrauch:

  • gelegentlicher Konsum

  • Gesundheitsschädigung durch Konsum, z.B. „Kater“ nach Alkohol

Drogenabhängigkeitabhängigkeit

  • starkes Bedürfnis nach Konsum

  • anhaltender Konsum trotz Gesundheitsschädigung

  • Vorrang des Konsums vor anderen Aktivitäten und Verpflichtungen

  • Toleranzentwicklung, d.h. gegenüber Nichtabhängigen höhere Dosis für gleiche Wirkung

  • manchmal körperliches Entzugssyndrom

Definition der WHO (Weltgesundheitsorganisation)

Sucht hat etymologisch nichts mit Suchen zu tun, sondern stammt vom mittelhochdeutschen „siech“, „krank sein“ ab, heute z.B. noch erhalten in „dahinsiechen“, im Englischen „sick“ oder im Schwedischen „sjuk“.
In Wörtern wie Mondsucht, Tobsucht konnte das Grundwort als „krankhaftes Verlangen“ verstanden werden, wie es auch schon früher übertragen für „Sünde, Leidenschaft“ gebraucht wurde. Das neuhochdeutsche Sprachgefühl hat das etymologisch undurchsichtige Wort deshalb mit suchen verknüpft, sodass Zusammensetzungen wie Gefall-, Selbst-, Herrschsucht ebenso in diesem Sinn verstanden werden wie die älteren Bildungen Eifersucht und Sehnsucht.

Es handelt sich um eine Gruppe körperlicher, Verhaltens- und kognitiver Phänomene, bei denen der Konsum einer Substanz oder einer Substanzklasse für die betroffene Person Vorrang hat gegenüber anderen Verhaltensweisen, die von ihr früher höher bewertet wurden. Ein entscheidendes Charakteristikum der Abhängigkeit ist der oft starke, gelegentlich übermächtige Wunsch, psychotrope Substanzen oder Medikamente (ärztlich verordnet oder nicht), Alkohol oder Tabak zu konsumieren. Zu den typischen Kennzeichen gehören:

der überwältigende Wunsch oder das Bedürfnis, den Drogengebrauch fortzusetzen sich die Droge unter allen Umständen zu verschaffen
eine Tendenz, die Dosis zu erhöhen eine psychische und/oder eine physische Abhängigkeit von den Wirkungen der Droge
eine zerstörerische Wirkung auf den Einzelnen und auf die Gesellschaft.

Für Österreich schätzte man 1995

300.000 Alkoholkranke
500.000 Personen, welche Alkoholmissbrauch betreiben
100.000 Medikamentenabhängige
25.000-30.000 intravenös Drogenabhängige

Sucht

ist ein krankheitswertiges Zustandsbild, das einer Behandlung bedarf. Der Abhängige nimmt bestimmte Substanzen (Drogen, Rauschmittel) ein, um sich durch deren Wirkung in einen anderen Bewusstseinszustand zu versetzen. Der Abhängige hat den überwältigenden Wunsch, den Suchtmittelgebrauch unter allen Umständen fortzusetzen und sich die Droge unter allen Umständen zu beschaffen. Der Abhängige neigt dazu, die Dosis der konsumierten Droge zu erhöhen. Diese Neigung beruht auf verschiedenen Mechanismen, die im Gehirn wirksam werden, wenn bestimmte zentral wirksame Substanzen fähig sind, in ein „Belohnungssystem im Gehirn“ einzugreifen. Dass körperliche Abhängigkeit mit der Entwicklung von Entzugserscheinungen bei Mangel der Droge entsteht, ist ein zusätzliches Merkmal einiger Drogen. Sucht ist ein prozesshaftes Geschehen, das von einem harmlosen, unmerklichen und schleichenden Beginn langsam bis hin zum Tod führen kann. Begleitet ist dieser Prozess vom Aufgeben und vom Verlust der persönlichen Identität, der sozialen Beziehungen, der individuellen Lebensplanung und der körperlichen Gesundheit. Es gibt aber auch Formen der nicht substanzgebundenen Sucht vor, z.B. Spielsucht, Magersucht, Kaufsucht.

Abhängigkeit
liegt nach der WHO dann vor, wenn sich beim Entzug der Droge, die über einen längeren Zeitraum gewohnheitsmäßig eingenommen wurde, Missbehagen und Beschwerden zeigen. Als weiteres Merkmal gilt, dass diese Erscheinungen durch die neuerliche Zufuhr der Droge (oder einer ähnlich wirkenden Droge) wieder zum Abklingen gebracht werden können.
Entgegen der landläufigen Meinung stellen Abhängigkeit und Sucht nicht zwangsläufig dasselbe dar. Menschen sind von vornherein von vielen Dingen anhängig: von Nahrung, Atemluft, Liebe, Freunden und vielem mehr. Abhängigkeit muss nicht zwangsläufig etwas Negatives sein. Sucht hingegen ist von vornherein im Extremen angesiedelt. Es ist wichtig zu unterscheiden, dass nicht jede und jeder Abhängige süchtig ist. Drogenabhängige können in der Lage sein, ein weitestgehend normales Leben zu führen. Drogensüchtigen ist das nicht mehr möglich.

Missbrauch
Der Missbrauch liegt immer dann vor, wenn eine psychoaktive Substanz nicht ihrem Zweck entsprechend benutzt wird. Immer dann, wenn eine Droge oder ein Rauschmittel eingesetzt wird, um einen unliebsamen Gefühlszustand zum Verschwinden zu bringen, liegt Missbrauch vor. Dabei kann es sich sowohl um erlaubte (legale) als auch um verbotene (illegale) Suchtmittel handeln.

Drogen
sind jene psychotrope Substanzen bzw. Stoffe, die durch ihre chemische Zusammensetzung auf das Zentralnervensystem einwirken und dadurch Einfluss auf Denken, Fühlen, Wahrnehmung, Verhalten nehmen.

Vier Faktoren müssen bei der Betrachtung von Sucht erörtert werden:

  • der Mensch: prämorbide Persönlichkeit, Heredität (Erblichkeit), frühkindliches Milieu, sexuelle Entwicklung, aktuelle Stresssituation, Erwartungshaltung;

  • das Mittel: Art der Applikation (Einnahme), Dosis, Dauer, Gewöhnung (Toleranz), individuelle Reaktion;

  • das Milieu: familiäre Situation, Beruf, Wirtschaftslage, sozialer Status und Mobilität, Gesetzgebung, Religion;

  • der Markt: Verfügbarkeit, Einstellung zur Droge, Einflüsse von Werbung und Mode, Konsumgewohnheiten.

Quelle: http://www.stangl-taller.at/ARBEITSBLAETTER/SUCHT/